Fantasy Film Fest: Der Spaß am blutdurstigen Kinopublikum

Das Fantasy Film Fest bringt jedes Jahr um die 50 Filme auf die Leinwände mehrerer deutscher Kinos und lockt so 10 Tage lang Genre-Interessenten an. Von Splatter-Komödien über reinen Horror hin zum koreanischen Thriller werden unterschiedlichste Geschmäcker bedient. Hilfreich dabei ist zumeist: Lust auf Blut und Schrecken.

Egal ob in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder bei einer anderen Station des FFF, die Faszination gebiert sich aus der bewussten Fokussierung auf stilisierten Horror und das nicht-natürliche. „Übernatürlich“ wäre an dieser Stelle der falsche Ausdruck, denn auch einfache Polizeithriller ohne fantastische Elemente werden hier gezeigt. Nicht-natürlich sind dabei die Stilisierungen von Mördern oder die Inszenierung von Charakteren und ihren Eigenschaften, die vor allem auf blutigen Spaß ausgelegt sind.

So etwa in The Gangster, The Cop, The Devil, der sich mit einem Serienkiller in Südkorea und der Jagt nach ihm auseinandersetzt. In typisch koreanischer Thrillermanier steht dabei jedoch nicht die reguläre Polizeiarbeit im Vordergrund, vielmehr schafft ein Zusammenspiel aus Gewalt und Draufgängertum einen Mix, der dem Genre vollständig gerecht wird. Der Wahnsinn des Killers, die (an einigen Stellen gedehnte) Gesetzestreue des Polizisten und vor allem die Coolness und in seiner Brutalität doch zelebrierte Gelassenheit des Gangsterbosses bilden eine für das Festival passende Triade aus Unterhaltung, Stilisierung und Spannung. Dabei heben sowohl Kritiker als auch Zuschauer des Festivals Ma Dong-seoks Spiel und Stil heraus, der den namasgebenden Gangster intensiv und eigenwillig charakterisiert. Die Tradition koreanischer Thriller wird angemessen fortgesetzt und auch das Ende weiß Kopfkino auszulösen.

The Gangster, the Cop, the Devil | (c) Sega Sammy Entertainment, Splendid Film

Vorteil des FFF (nicht Fridays for Future) ist es, ein solches Werk inmitten eines erfahrenen Publikums schauen zu können. Die Erwartungen entsprechen dem Gebotenen, es gibt keine Missverständnisse oder verirrte Kinobesucher. Jeder Mensch im Saal weiß worauf er sich einlässt und kann die Mechaniken des Genres würdigen. Plötzliche Gewaltexplosionen lösen keine Abneigung aus, sondern sind von vornherein gewünscht und lassen die Zuschauer in Gelächter oder Jubel ausbrechen. Eine Reaktion die vor allem Splatterkomödien das ein oder andere Mal hervorrufen. So z.B. Ready or Not: Der Film um ein tödliches Versteckspiel auf einem alten Familienanwesen generiert einige dieser Schockmomente, steht sich durch Konventionen und eine Moral in der Unmoral doch teilweise etwas selbst im Weg. Die Vermarktung und Ausrichtung auf ein Publikum ab 16 sind deutlich zu spüren. Glücklicherweise schafft es der Film neben seinen kalkulierten Höhepunkten durch Gewalt auch durch eine herausragende Protagonistin zu überzeugen. Samara Weaving trägt den Film durch ihr erfrischendes Spiel und schreckt dabei nicht vor ungewöhnlichen Reaktionen auf ihr wiederfahrends Unglück zurück. Durch ihre teils zynische Art und Weise die Gefühlswelt der Figur nach Außen zu tragen verschafft sie dem Film die Ehre mehr als ein blasses final girl zur Hauptfigur zu haben. Sie konterkariert den ersten Eindruck der unschuldigen und naiven Braut die einen männlichen Gegenpart benötigt durch eine drastische Entwicklung innerhalb des Films, die ihr Innerstes nach Außen kehrt und beeindruckend, wenn auch überzeichnet, mit den Geschehnissen umgeht.

Ready or Not | (c) Walt Disney Studios Motion Pictures, 20th Century Fox

Das Frankfurter Publikum nahm den Film mit gemischten Gefühlen auf, votete ihn jedoch immerhin auf den dritten Platz des Wettbewerbs, was jedoch sicherlich auch am hohen Publikumsinteresse lag. Wäre der Film etwas mutiger gewesen und hätte das Versteckspiel etwas mehr ausgereizt, wäre sicherlich eine höhere Platzierung möglich gewesen. Der Sieger dieses sogenannten Fresh Blood Awards 2019 ist Hotel Mumbai, der in dieser Woche in den deutschen Kinos startet und mit Dev Patel und Armie Hammer eine durchaus hochkarätige Besetzung aufweisen kann. Er kann sich in eine Reihe heute durchaus rennomierter Geheimtipps einreihen, zu der sich u.a. Brick, Four Lions oder District 9 zählen.

Neben dieser Auswahl an neuen, unverbrauchten und eventuell unterrepräsentierten Filmen punktet das Festival vor allem durch sein Publikum und dessen Erwartungshaltung. So trägt es sich zu, dass das Harmoniekino in Frankfurt, vermutlich ähnlich wie andere Spielstätten deutschlandweit, 10 Tage lang von firedvollen und filmbegeisterten Menschen besiedelt wird und der Wunsch nach cinematischem Blutrausch erfüllt wird. Das Jahr 2020 wird sicherlich ähnlichen Zuspruch erfahren.



Titelbild: (c) Ready or Not | (c) Walt Disney Studios Motion Pictures, 20th Century Fox

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