Male Leads: Adam Driver

Adam Driver ist ganz oben in Hollywood angekommen. Seine Zusammenarbeit mit rennomierten Regisseuren wie Jim Jarmusch, Terry Gilliam, Spike Lee, Steven Soderbergh, Noah Baumbach, Martin Scorsese, Ethan und Joel Coen, Clint Eastwood sowie Steven Spielberg sprechen für sich. Seit seinem Debut in Eastwoods J. Edgar im Jahr 2011 geht es für den Kalifornier stetig bergauf, seine Rolle in der Serie Girls sowie seine wiederkehrenden Auftritte in Noah Baumbachs Filmen scheinen dabei nur Beiwerk. Die Regiegrößen der Brache haben ihn, nicht erst seit er das herausstechende Gesicht der neusten Star Wars Trilogie ist, quasi für ihre Prodkutionen gepachtet.

In dem gerade in Cannes Premiere feiernden The Dead Don’t Die belebte Jim Jarmusch die Zusammenarbeit der beiden wieder. In der zynischen Meta-Komödie mimt Driver eine Mischung aus lakonisch-pragmatischem Polizeibeamten und sich selbst und bereichert den Film in Zusammenarbeit mit Bill Murray deutlich. Die Chemie der beiden ist es, die das Kinopublikum in der ein oder anderen Szene jubeln lässt, sei es beim Zerteilen von Zombiekörpern oder beim Austausch über Drehbuch und Regisseur.
In der ersten Zusammenarbeit von Schauspieler und Regisseur, in Paterson trägt Driver hingegen die gesamte Last des Films. Als Busfahrer streift er genau so langsam durch seine Heimatstadt wie durch seinen Alltag. Die Gemeinsamkeit beider Filme ist ihre Geschwindigkeit: Typisch für Jarmusch strahlt der Charakter eine Trägheit aus, die die Handlung langsam und gemächlich voantreibt. Ist es in The Dead Don’t Die eine zugrundeliegende Alltagsmüdigkeit und Gleichgültigkeit, so ist es in Paterson eher die Routine der gemächlichen Hauptfigur, die den Film in seinem Tempo anpasst. Ein für den sich einlassenden Zuschauer ebenso entschleunigendes Konzept.

That girl is half Mexican. I know because I love Mexicans.

Driver als Ronnie Peterson in The Dead Don’t Die

Mookie gets his Oscar. Spike Lee hat es endlich geschafft einen Oscar zu gewinnen und daran dürfte Adam Driver durchaus einen Anteil haben. Die Auszeichnung für das beste Drehbuch für BlacKkKlansman ist zwar nicht direkt auf die Spielenden Zurückzuführen, einen Einfluss auf die Bewertung des Skripts haben die Interpretationen der Mimen vermutlich dennoch. So auch die durch Driver verkörperte Rolle des Flip Zimmerman (ebenso für einen Academy Award nominiert), die den Umgang mit Rassissmus im Alltag angenehm entlarvt. Der jüdische Polizist Zimmerman wird aufgrund seiner Religion ebenso durch die Mitglieder des KKK diskriminiert, aufgrund fehlender äußerer Merkmale tangierte ihn diese Hetze jedoch noch nie persönlich. Lee legt hier einerseits die Problematik des häufig an äußeren Merkmalen festgemachten Othering offen und prangert zugleich die öffentliche Toleranz von Rassissmus an. Er spricht dabei Personen an, die rassistischem Gedankengut prinzipiell deutliche entgegenstehen, durch ihre fehlende eigene Betroffenheit jedoch passiv bleiben. Rassismus und Hass sollen jederzeit offen verurteilt und nicht tolleriert werden, auch von vermeintlich „Unbeteiligten“.

Ein schwieriges Thema. Hat es J.J. Abrahms geschafft einen zufriedenstellenden Film zu drehen, so liegt dies in Teilen auch an seinem andersartigen Antagonisten, der neben all den Hommagen und Anspielungen an die Original-Trilogie eine neue Facette ins Spiel bringt. The Force Awakens trieft nur so vor Fan-Service, seien es kleinere Details wie bekannte Gegenstände oder Charaktere im Bild oder ganze Handlungsstränge. Diese teilweise durchaus plakativ angebrachten Elemente lassen den Film etwas auf der Stelle treten und verstehen die Verbindung zur ersten Trilogie etwas zu wörtlich. Anders als Drivers Charakter Kylo Ren, der anfangs wie ein weiterer Darth Vader-Abklatsch wirkt und so genau in die Reihe dieser Verknüpfungen passen würde. Im Verlauf der Handlung stellt sich jedoch heraus, dass Kylo Ren eben genau dieser Abklatsch sein will, da er !Spoiler! seinen Großvater als großes Vorbild sieht und vergleichbare Macht erlangen will, wie sie Anakin Sywalker einst erreichte. Der Film spielt an dieser Stelle also mit der Verbundenheit zum originalen Stoff. Ein erfrischendes Um-die-Ecke-Denken, das dem Film sicherlich auch in Gänze gut zu Gesicht gestanden hätte.
Dass der Charakter in Episode 8, wie alle anderen Figuren auch, zur Witzfigur verkommt ist leider der Marvelisierung des Mainstreamkinos zu verdanken und nicht Drivers Verschulden. Diese Entwicklung schließt das ersthafte Erzählen einer Fantasygeschichte fast vollständig aus. Dass landende Raumschiffe an damfende Bügeleisen erinnern oder einige der Figuren in der Galaxie eine gewisse Niedlichkeit besitzen, ist den Zuschauern mit einer gewissen Distanz durchaus bewusst, dennoch sollte das Herausstellen dieser Merkmale komödiantischen Formaten und Hommagen á la Family Guy oder Robot Chicken überlassen werden und nicht die selbst geschaffene Welt untergraben. Die ironische Hinterfragung des Gezeigten entspricht dem aktuellen Zeitgeist, verhindert dabei jedoch jegliche tiefergehende Identifikation mit den Figuren und der im Film geschaffenen Welt. Ein Schuss ins eigene Bein des sonst so talentierten Regisseurs Rian Johnson. Dass Adam Driver in The Last Jedi einen extrem ansehnlich choreografierten Schwertkampf abliefert, kann dabei nicht für den gesamten Film als Ausgleich herhalten.

Diese kurze Übersicht und Analyse der Rollenauswahl von Adam Driver wurde vor dem Hintergrund der Rubrik Male Leads: vollzogen. In diesem Kontext sollen SchauspielerInnen vorgestellt und tiefer durchleuchtet werden, als es ein einfacher Wikipedia-Artikel tut.



TBC verabschieded sich in den August und eine mehrwöchige Sommerpause. Themenvorschläge für die hintere Jahreshälfte sind wilkommen.


Titelbild: (c) Annie Leibovitz, Vogue 2013

Ein Gedanke zu “Male Leads: Adam Driver

  1. Themenvorschläge!? Hm … ich mochte sehr Gefängnisfilm als eigenes Genre. Vielleicht gibts da noch mehr? Ich habe jeden Monat ein Thema, zu dem ich Filme schaue und auch versuche im Blog zu besprechen … neulich waren es mal Filme, die in Tokyo spielen. 🙂 BTW: schöne Sommerpause!

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