Mythos FBI: Repräsentation der Macht in nur drei Buchstaben

Es hängt sicherlich mit der amerikanischen Glorifizierung von Nationalhelden und Militärs zusammen, dass Polizisten, Soldaten oder Kampfpiloten regelmäßig zu Ikonen des Kinos und Helden ihrer eigenen Filme werden. Versuche Streifenpolizisten oder Mitarbeiter des Bundeskriminalamts in ähnlicher Manier zu inszenieren würde in den meisten Fällen scheitern, scheint das öffentliche Bild der deutschen Polizei doch eher weniger positiv. Werden in gegenwärtigen Zeiten von Datenleaks, digitaler Manipulation oder Eingriffen in die Privatsphäre Staaten und Behörden wie etwa NSA oder auch das Bundesinnenministerium durchaus kritisch betrachtet, scheint das FBI im Kino weiterhin einen Gewissen Status zu wahren, der der zentralen Sicherheitsbehörde der USA einen gewissen Mythos verleiht.

Die drei Buchstaben des Federal Bureau of Investigation treten zumeist dann in Filmen auf, wenn Verbrechen einer besonderen Art den lokalen Ermittlern am Handlungsort nicht mehr gewachsen sind bzw. die Taten zu nationaler Angelegenheit werden. Die auftretenden Personen stellen dabei entweder eine anonyme, anzugtragende Macht dar, die den Protagonisten die Ermittlungen erschwert, wie etwa in Stirb Langsam oder in Super 8, oder werden vom Protagonisten des Werks verkörpert. Diese Figuren besitzen nicht immer mehr Erfahrung als die örtlichen Polizisten, häufig werden sie auch für ihr Alter oder auch ihr Geschlecht belächelt, ihre Ausbildung und ihr Auftreten verleiht ihnen jedoch zumeist Autorität und Handlungsgewalt in den jeweiligen Situationen. Als Beispiel hier kann Elizabeth Olsens Rolle in Wind River herangeführt werden, die in ein weit entlegenes Reservat gerufen wird, um den Tod eines Mädchens aufzuklären. Die Infrastrukturellen sowie klimatischen Bedingungen vor Ort enttarnen sie als unvorbereitet und blauäugig und lassen ihre Autorität in der von Männern dominierten ruralen Region anfangs nur wenig greifen. Ihre Ausbildung sowie ihr Umgang mit der lokalen Bevölkerung verhilft ihr schlussendlich jedoch zu einer funktionierenden Ermittlung. Dieses Bild der unerfahrenen, jungen Absolventin im Außendienst ist nichts neues im Medium Film, das bekannteste Beispiel ist vermutlich Clarice Starling aus Das Schweigen der Lämmer, die mit deutlich überlegen scheinenden Hannibal Lecter konfrontiert wird. In beiden Fällen scheint die Herausforderung ungleich und stellt dabei sowohl Protagonistin, als auch den Zuschauer vor scheinbar unüberwindbare Hindernisse. In diesen Fällen scheint es jedoch die Ausbildung der FBI-Agentinnen zu sein, die ihnen in entscheidenden Situationen einen gewissen Gedankenvorsprung oder Perspektivwechsel verschafft.

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Das Schweigen der Lämmer | (c) Orion Pictures

Diese Ausbildung wird auf interessante Art und Weise in David Finchers Serie Mindhunter erzählt und durch interessante Fragen nach der Natur des Menschen ausgeschmückt.

Eine Serie die vielleicht die deutlichste Mystifizierung des FBI schafft, ist David Lynchs Twin Peaks, in dem sie die Agenten und vor allem den Protagonisten Special Agent Dale Cooper als fast unglaubwürdig perfekten Menschen zeichnet. Cooper ist eloquent, freundlich, höflich, findet fast in jeder Situation die passenden Worte und erledigt seinen Job gewissenhaft und mit besonderen Herangehensweisen. In Staffel 1 und 2 wird er zum besten Freund des Zuschauers und vieler der in der Serie auftretenden Figuren. All diese Eigenschaften scheinen sowohl an seine Persönlichkeit, als auch an seine erlernten Umgangsweisen beim FBI gekoppelt. Alle in Twin Peaks auftretenden FBI-Agenten besitzen besondere Eigenheiten und stechen aus den dagegen fast mondän wirkenden Einwohnern der Kleinstadt heraus. Vor allem der Umgang mit dem Übernatürlichen, das in der Serie in fast nüchterner Weise auftritt, lässt sie anders wirken. Surrealist David Lynch baut diese nicht-erdlichen Elemente fast selbstverständlich in seine Welt ein und ebenso alltäglich scheinen die Agenten des FBI mit ihnen zu hantieren. Die Bedeutung von Träumen und die Bilder von Gut und Böse, das Symbol der blauen Rose oder die von Cooper angewandten Methoden und immer etwas ungewöhnlich wirkenden Eigenarten passen zum einen in das Werk eines surrealistischen Künstlers, unterstützen zum anderen die Mystifizierung des FBI. Hierzu trägt sicherlich auch die Besetzung des Bureaus bei: Kyle Maclachlan, David Lynch, Miguel Ferrer, David Duchovny und David Bowie.

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Twin Peaks: Fire Walk With Me | New Line Cinema

Das FBI ist in seiner Form, Ausrichtung und Wertevermittlung bei genauerer Untersuchung eine extrem amerikanische Einrichtung und eignet sich somit hervorragend für die Adaption in Hollywood-Produktionen. Die tatsächliche Bewertung der Behörde sollte nicht mit ihrer Darstellung in diesen Produktionen vermischt werden und eine allgemeine Reflektion einer filmisch-inszenierten Perspektive sollte sowieso immer vonstatten gehen. Dennoch ist es interessant inwieweit eine Behörde als universelle Macht genutzt werden kann, um einem Verbrecher einen allseits bekannten und mächtigen Gegenspieler gegenüber zustellen. Vielleicht ist dies das Ergebnis eines  (amerikanischen) schwarz-weiß Denkens, zumindest erscheint es im amerikanisch-politischen Denken logisch, jeder bösartigen Bedrohung eine ebenbürtige, wenn auch nur symbolische Kraft entgegenzustellen. Die symbolisierte Macht verrät dabei sowohl dem Zuschauer die Rolle der Figuren, als auch den im Film Handelnden.


Titelbild: (c) Paramount Home Entertainment

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2 Gedanken zu “Mythos FBI: Repräsentation der Macht in nur drei Buchstaben

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