The Cinematic Scenes: Einprägsame Szenen zum zweiten Jubiläum

Während die Academy Awards nur mit einer entscheidenden Überraschung vorbei zogen und einige durchaus nachvollziehbare Auswahl an Gewinnern hervorbrachten, wird TBC in dieser Woche 2 Jahre alt – deutlich mehr Grund für Zelebration. Zur Feier dieses Tages sollen 10 weitere Filmausschnitte der Playlist The Cinematic Scenes präsentiert werden. Die gesamte Playlist ist zu finden auf dem Youtube-Kanal von TBC. An dieser Stelle möchte ich einige Worte zu ausgewählten Szenen verlieren:

Es sind sicherlich nicht die besten Szenen der Filmgeschichte und die/der ein oder andere wird mit der Auswahl nur bedingt zufrieden sein; die Playlist soll einen Einblick in den persönlichen Filmgeschmack geben und vielleicht die Aufmerksamkeit des/der ein oder anderen LesersIn auf bisher unbekannte Filme und Regisseure lenken.

Szene 014: Die Opening Credits von Roma

Alfonso Cuarón ist sicherlich keiner, dem es gegenwärtig an Aufmerksamkeit mangelt, ist er doch der Gewinner des Oscars für die beste Regie sowie die beste Kamera für Roma. Die hier ausgewählte Eröffnungseinstellung von Roma, soll verdeutlichend das Talent des Mexikaners abbilden und die Begeisterung für seinen Film verständlich machen. Ohne Kamerabewegung schafft es Cuarón einen interessanten und optisch ansprechenden Vorspann zu gestalten, der durch intelligenten Einsatz von Spiegelung einige der Hauptsymboliken des Films in das Intro einwebt. Diese Eröffnungsszene steht stellvertretend für das symbolische und technische Herausragen des Films. Die erzählerische Brillanz wird in einer zukünftigen Szene jenseits der 10er Platzierungen aufgegriffen.

Szene 015: Sandra Hüller singt Whitney Houston in Toni Erdmann

Das Narrativ von Toni Erdmann enthält den zentralen Konflikt zwischen Vater und Tochter. Die Tochter Ines ist in ihrer Maschinerie der profitorientierten Unternehmensberatung gefangen und wird durch ihren Vater und dessen Figuren mit einer überzeichneten menschlichen Nahbarkeit konfrontiert, von der ihr sogar die kleinste Portion abhanden gekommen zu sein scheint. Diese Szene gegen Ende des Films zeigt die fehlgeleitete Kommunikation beider Seiten, die dabei in einem für Sandra Hüllers Figur scheinbar unerträglichen Vorschlag von Seiten ihres Vaters mündet: dem Vortragen eines Lieds zur Dankbarkeit für die ihnen entgegengebrachte Gastfreundschaft. Hüller spielt die nun vollkommen aus ihrer Komfortzone gelockte Ines Conradi in ihrer emotionalen Entblößung überzeugend und vielschichtig und gibt dabei eine authentisch kratzig klingende und zugleich sehr komische Performance von Whitney Houstons Greatest Love Of All zum Besten. Die Szene stellt eines der Highlights des Films und des gesamten deutschen Kinos der jüngsten Vergangenheit dar.

Szene 017: Die Sushi-Szene aus Isle of Dogs

Ein Highlight des Stop-Motion-Kinos hat Wes Anderson in seinem neusten Werk geschaffen: Isle of Dogs ist in weiten Strecken ein unterhaltsamer Film, jedoch aufgrund mancher Längen und einigen aus postkolonialer Perspektive nicht ganz nachvollziehbaren Figurenkonstellationen, eher eines der schwächeren Werke des Texaners. Die technischen Aspekte sind jedoch über jeden Zweifel erhaben und stechen durch die typische Detailverliebtheit hervor. Der Film lässt sich, obwohl es sich um eine vollständig anderen technische Umsetzung handelt, im Detailgrad mit einigen Animes des Studio-Ghibli vergleichen – und das nicht zwingend aufgrund des übereinstimmenden Handlungsortes. Die Sushi-Szene ist die Eindrucksvollste des Films, ihr Aufbau kann in diesem Making of nocheinmal nachvollzogen werden.

Szene 020: Die Serienkiller-Killer Geschichte von Tom Waits in 7 Psychos:

Martin McDonagh, Regisseur von u.a. Brügge sehen…und sterben sowie Three Billboards outside Ebbing, Missouri ist ein erzählerisches Genie. Seine Fähigkeiten Geschichten zu schreiben und deren Inhalte zu erdenken ist kaum erreicht. Die Absurdität seiner Ideen in Kombination mit seinen visuellen Einfällen und seinem dunklen Sinn für Humor schaffen fiese und zugleich unterhaltsam amüsante Geschichten. Am deutlichsten wird dies in seinem zweiten Langfilm: 7 Psychos, der mehrere Kurzgeschichten aneinanderreiht. Welche dabei die interessanteste ist, bleibt jedem Betrachter selbst überlassen. Die hier ausgewählte Szene ist vermutlich die groteskeste und auch die am brutalsten visualisierte. Singer-Sogwriter Tom Waits, ein Mann der angenehmerweise nur in wenige, wohl ausgewählte Rollen schlüpft, erzählt die Geschichte von seiner Frau und ihm, wie sie durch die USA reisen und dabei Menschen töten, die durch die USA reisen und Menschen töten. Die Inszenierung dieser Morde wirkt dabei oft so stilsicher und zugleich in ihrer Brutalität so überzeichnet, dass ein Gefühl irgendwo zwischen lautem Lachen und schockierendem Ekel entsteht. Ein großes Plus ist zudem die Stimme Waits und seine Fähigkeit der intensiven Vermittlung.

We go around the country killing people, who go around the country killing people“

-Tom Waits in 7 Psychos

Diese Szenen sind wie erwähnt nur eine kleine Auswahl und sollen stetig erweitert werden. Falls Euch einige entscheidende Filmausschnitte einfallen oder Ihr mit hier gelisteten Vorschlägen in keinem Fall übereinstimmt, nennt mir Eure Meinungen und Vorschläge. Folgt TBC gerne auf Youtube und Facebook. Auf ein weiteres Jahr…

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The Life Aquatic with Steve Zissou | (c) Buena Vista

Titelbild: (c) Universal Pictures; Das Titelbild stammt aus Do the Right Thing vom diesjährigen Oscargewinner für das beste adaptierte Drehbuch Spike Lee.

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6 Gedanken zu “The Cinematic Scenes: Einprägsame Szenen zum zweiten Jubiläum

  1. Toni Erdmann hat mich nachhaltig beeindruckt. Der Film hatte zwar manche Länge aber war insgesamt sehr intensiv. Letztens musste beispielsweise ich an die peinliche Szene mit dem Nacktempfang denken. Das war ganz schön verrückt.

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  2. Großartig fand ich auch die Verfolgungszene im Fußballstadion in “ In ihren Augen“. Die Spannung einer Verfolgungsjagd wird sehr eindrücklich vermittelt, Fahrzeuge werden dabei nicht demoliert und es gibt keine sichtbaren Schnitte.
    Herzlichen Glückwunsch zum 2. Bloggeburtstag 🙂

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    1. Vielen Dank. Ich habe die Szene direkt in meine Liste aufgenommen, manchmal liegt es vor allem daran, dass mir die Szenen einfach nicht in den Sinn kommen. Auf jeden Fall ein würdiges Stück Film.

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  3. Wahrlich eine großartige Szene aus „Toni Erdmann“, obwohl es derer ja im Film noch einige mehr gibt. Zum Beispiel der auch schon erwähnte Nacktempfang. Ein Moment, der so dermassen absurd ist, dass er schon wieder als einzig richtige Reaktion gelten kann.

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  4. Um zu gratulieren ist es vielleicht etwas spät, aber wie es so meine Art ist, sage ich trotzdem: alles Gute nachträglich zum Blog-Geburtstag, auf viele weitere Jahre voll bereichernder Beiträge 😀
    Und die gewählten Szenen sind natürlich großartig – danke für das wieder ins Gedächtnis rufen von Whitney Schnuck.

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