Reimagined: Hemingways The sun also rises

Ernest Hemingways erster Roman Fiesta, oder im Original: The Sun Also Rises, beschreibt den Lebensstil und die Umgänge der sogenannten verlorenen Generation, zwischen den undurchdringlichen Rauchschwaden des nach Pastis und Whiskey-Soda riechenden Pariser Nachtlebens, und den sonnendurchfluteten Buchenwäldern der baskischen Hügellandschaften. Schon im Jahr 1957 wurde das Werk mit Tyrone Powers und Ava Gardner in den Hauptrollen verfilmt, blieb der Vorlage aber ihre Tiefgründigkeit und lebendigen Milieus schuldig. Entgegen der öffentlichen Kritik an Zahl und Umfang gegenwärtiger Remakes ist die Reimagination dieses Werks durchaus einen Gedanken wert.

The Sun Also Rises soll wie sein Vorlageroman ein Werk über die psychischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Krieges sein, diesen dabei aber zu keinem Zeitpunkt abbilden. Im Zentrum stehen die desillusionierten und Halt suchenden, Übrig-gebliebenen, deren Handlungen ihre Verzweiflung und Ziellosigkeit widerspiegeln. Ihr Lebensstil ist dabei das zentrale Motiv, welches der Film dem Zuschauer vermitteln muss. Maßloser aber nicht jederzeit exzessiver Rauschmittelkonsum sowie Vergnügungssucht sind auch in Hemingways Schilderungen das größte Indiz hierfür. Der Entscheidende Aspekt diesbezüglich ist die für den Zuschauer erst stufenweise Offenbarung, dass sich die Agierenden in einer Spirale befinden, aus welcher sie nicht ausbrechen können. Die Feiern, der Konsum, die Dekadenz und das Vergnügen müssen in ihrer Inszenierung den Zuschauer fesseln, ihm Spaß bereiten und Neid auf diesen Lebensstil hervorrufen, ehe sie im weiteren Fortlauf des Films offensichtlich einen Sog bilden, aus dem die Protagonisten nicht mehr entkommen können.

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Rooney Mara | Emma Stone  | Margot Robbie

Gerade die Figur der Lady Brett Ashley symbolisiert dieses Verhängnis mit ihrer Entwicklung am stärksten. Sie ist es, die in Protagonist Jake Barnes einen auf emotionaler Ebene nüchtern agierenden und sie bedingungslos unterstützenden Geliebten hat, ihm jedoch in Anbetracht ihrer anstehenden Hochzeit mit Michael Campbell nur freundschaftlich begegnen kann. Ihre Dekadenz und ihre Sucht nach Aufmerksamkeit lassen sie wiederum eine kurzzeitige Affäre mit dem Stierkämpfer Pedro Romero eingehen, welche gleich drei Männer emotional und auch körperlich in tiefe Krisen stößt. Die Ausrichtung aller männlicher Figuren auf Lady Ashley setz voraus, dass das Casting sowie die Inszenierung ihrer, fast übernatürliche Schönheit vermitteln müssen. Dabei sind Äußerlichkeiten nur ein Teil der Faszination. Lady Ashley ist oder spielt eine extrem unabhängige Frau, wobei nicht vollends ersichtlich wird, ob ihr diese Unabhängigkeit wirklich zusagt, oder ob sie nur ein Effekt ihres Lebensstils ist, den sie zeitweise ertragen kann. Hinweise auf diese Zweifel finden sich im Roman mehrfach. Ihre Anwesenheit unterbricht fast augenblicklich jedwede bisher vorhandene Gesprächssituation, sie scheint immer im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen und schafft dies durch eine offen-freundliche und zugleich überlegen wirkende Gestik und Rhetorik.
Nun hat vermutlich jede Person Schauspieler/innen, die er/sie gerne auf der Leinwand betrachtet und es ist fast müssig über Schönheit zu argumentieren, dennoch drängen von der gegenwärtigen Liste der bedeutendsten Schauspielerinnen sofort einige Namen in den Vordergrund. Eine gewisse unterschwellige Verzweiflung in ihrem Spiel ausdrücken können sowohl Margot Robbie (gesehen in I, Tonya oder Mary, Queen of Scots) als auch Rooney Mara (gesehen in Her). Eine etwas kühlere Interpretation der Rolle könnten Emma Stone oder Anya Taylor-Joy gelingen, wobei erste offenkundig erfahrener und vielseitiger profiliert ist, als die noch relativ unbekannte und eventuell zu junge Taylor-Joy. Äußerlich ist es allen vieren möglich Lady Ashley glaubhaft abzubilden.

Der von Hemingway eher zurückhaltend charakterisierte Jacob Barnes hat deutliche autobiographische Züge. Sowohl die Berufung als auch einige Ansichten des Protagonisten stimmen mit denen des in den 1920ern in Paris lebenden Schriftstellers überein. In Paris, ein Fest fürs Leben, schildert Hemingway eigene, dem Roman ganz ähnliche Szenen und Unternehmungen und formuliert sogar seine Absicht, seinen ersten Roman in Paris zu verfassen. Die Ähnlichkeit beider Lebensstile liegt lediglich im Vorhandensein oder Nichtvorhandensein der finanziellen Mittel auseinander, die die Romanfigur auch teilweise als Traumvorstellung Hemingways charakterisieren könnten.
Auf Basis dieses Wissens ergibt sich eine fast logische Castingentscheidung, denn Corey Stoll hat Ernest Hemingway in Midnight in Paris nicht nur äußerlich passend abgebildet (siehe Titelbild). Sein Spiel könnte er in modifizierter Form auf die Figur des Jacob Barnes übertragen und zugleich einen deutlich glaubwürdigeren Ex-Soldaten verkörpern als dies Tyrone Powers in der ersten Verfilmung tat. Power ist eindeutig eine der Schwachstellen des 1957er Films, er wirkte zumeist eher ausdrucksschwach. Alternativ wäre Tom Hardy mit einem amerikanischen Akzent ebenso glaubhaft in der Rolle.

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Posterausschnitt von The Sun Also Rises  (1957)| (c) Twentieth Century Fox

Als Schwäche des ersten Films kann auch der fehlende Fokus auf den täglichen Unternehmungen und Etablissements sowohl in Paris, als auch später im spanischen Hochland und seiner Umgebung genannt werden. Zwar verschiebt Henry King in seinem Werk den Fokus mehr auf die Gefühlswelt der Figuren, bis auf die Stierkämpfe werden die besuchten Milieus jedoch leider unzureichend als Teil der Handlung etabliert. Emotionen bleiben so ohne direkten Zusammenhang zum Lebensstil, Alkohol dient in wenigen Szenen lediglich als Mittel zur gerechtfertigten Streitinszenierung, selten als unterschwellig vorhandener, die Realität der Protagonisten verändernder Dauerzustand. Diese grundlegende Fehlausrichtung soll Regisseur Luca Guadagnino passender gestalten und das Publikum dabei in das beschriebene Leben einführen. Schon in Call me by your name ist es dem Italiener gelungen, die sommerliche Toskana in den Kinosaal zu bringen, und den Zuschauer die italienische Sonne auf der Haut spüren zu lassen. Seine gesammelten Erfahrungen, auch in Bezug auf Romanverfilmungen, kann er sowohl bei den sommerlichen Angelausflügen von Barnes und Gorton zum Einsatz bringen als auch bei der Inszenierung der spanischen Kleinstädte und Bars. Der Stierkampf als eigenes Milieu gehört ebenso wie der in Spanien spielende Teil des Films in eine sehr mediterrane Atmosphäre, während das Paris der Zeit etwas dunkler und urbaner, nicht aber weniger einladend inszeniert werden soll. Die Großstadt sollte eine gewisse Enge repräsentieren, wie es Berlin in Guadagninos Suspiria schafft, um die Erleichterung durch das spätere Verlasen der Stadt auch auf den Zuschauer übertragen zu können. Als Gegenpart zu Suspiria, dessen zentrale Begriffe Weiblichkeit und Mutter sind, könnte The Sun Also Rises Hemingways Betrachtung des Begriffs der Männlichkeit aufgreifen und Sexualität, Impotenz und Körperlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Ohne surreal, explizit oder wahnwitzig zu werden, wie es der Regisseur in seinem jüngsten Werk tut, würde dies dem Film eine weitere, tiefgründigere Ebene verschaffen. Da Sexualität in den Werken des Regisseurs bisher fast immer eine Rolle spielte, würde dieses Projekt durchaus in seine Filmographie passen.

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Simon Pegg | Aaron Taylor-Johnson | Domhnall Gleeson

Die Besetzung der Nebenrollen ist mit entscheidend für den Ton des Films. Zwar ist eindeutig, dass Mike Campbell, Brett Ashleys Ehemann in spe, und Robert Cohn, ein alter Freund von Barnes und Verehrer von Ashley, grundsätzlich als Konkurrenten auftreten, eine Gewisse Chemie innerhalb der fünfköpfigen Gruppe, zu der auch Bill Gorton gehört sollte jedoch vorhanden sein. Während Gorton, gespielt von Simon Pegg, eindeutig als Comic Relief auftreten sollte, sind Cohn und Campbell für die charakterliche Entwicklung von Lady Ashley mit verantwortlich.
Mike ist ein eloquenter, seinen gesellschaftlichen Status durchaus nach Außen tragender, vornehmer Brite, der zentraler Bestandteil der Urlaubsgruppe ist, während Cohn nicht von allen, vor allem nicht von Mike, aber auch nicht von den anderen Männern, akzeptiert wird. Er zeichnet sich durch seine Boxkarriere als groß, körperlich und zielstrebig aus. Diese Zielstrebigkeit zeigt sich jedoch auch in seiner Versteifung auf Lady Ashley und seine nicht immer erwünschte Anwesenheit und Verhaltensweise.

Er machte sich aus Boxen an und für sich gar nichts ; tatsächlich fand er es gräßlich, aber hatte es mit viel Ausdauer und Mühe erlernt, um seine Minderwertigkeitsgefühle und seine Schüchternheit auszugleichen.“

Mike Campbell könnte durch den Briten Jude Law oder den Iren Domhnall Gleeson verkörpert werden, beide sind in der Lage schauspielerisch einen etwas überheblichen und rohen und dennoch geselligen Briten zu verkörpern. Diese Rolle ist es auch, die dazu beiträgt, dass der von Robert Cohn entzündete Konflikt später weiter angefacht wird. Seine Besetzung erscheint schon schwieriger, da er neben den beiden Protagonisten fast die entscheidende Figur des Films ist. Adam Driver oder Aaron Taylor-Johnson wären von ihrer Statur passend und könnte vermutlich auch aufgrund ihrer Vergangenheit überzeugend den Part eines Boxers spielen.

Ob der Wunsch diesen Film Realtität werden zu lassen, in die Hände eines Filmproduzenten fällt scheint unwahrscheinlich. Dennoch ist Feedback gerne gesehen!

Welche Schauspieler würdet Ihr für welche Rolle casten? Kennt Ihr den Roman? Ist Hemingway in der Gegenwart noch interessant? Folgt TBC gerne auf WordPress oder Facebook und teilt eure Meinung mit.


Titelbild: (c) Concorde Home Entertainment

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