No Face Emoji: Alex Lazarov und die Kunst des No-Budget-Films

Alex Lazarov, Hobby-Filmemacher aus Wien und hauptberuflicher Schüler veröffentlicht im August 2017 seinen Kurzfilm No Face Emoji. Dabei ist das auf Youtube veröffentlichte, 17-minütige Werk ein Paradebeispiel dafür, dass Kreativität und Wille zum Aufwand fehlende finanzielle Mittel fast vernachlässigbar machen.

Das in vier Akte aufgeteilte Drama thematisiert verschiedene Wirrungen jugendlicher Emotionen und schafft in seinen Episoden mit einfachen Mitteln interessante und gegensätzliche Charaktere. Es ist erstaunlich wie es Regisseur und Autor Alex Lazarov e gelingt tiefgreifendere Geschichten zu erzählen als es die Laufzeit eigentlich vermuten lässt. Das Milieu der 16-, 17-, 18-jährigen wird passend dargestellt und spielt mit Problematiken des Alters. Einige Figuren sind weiterentwickelt als andere und nehmen eher erwachsen wirkende Charakterzüge an, während andere mit ihren ganz eigenen emotionalen Konflikten konfrontiert werden. Diese scheinen von außen teilweise unwichtig und nicht echt, sind jedoch für die Protagonisten real und fordernd. Die grundsätzliche Idee erinnert in Teilen an Niklaus Hilbers herausragenden Film Amateur Teens, von 2015.

Die ohne wirkliche Finanzierung ausgekommende Produktion wirkt in den meisten Fällen professionell und einzigartig, gerade die Bildkompositionen sind ansprechend gestaltet und durch den Regisseur auch als absichtlich still gehaltenen Einstellungen eingefangen. Gerade der Look und das Editing leiden jedoch etwas unter dem geringen Budget, dass eine ansprechende Farbkorrektur und insgesamt wertigere Ästhetik verhindert. Ebenso ist Verwechselung ein Faktor der zeitweise ein zu Verwirrungen führen kann. Ähnlichkeiten von Schauspielern oder Schauplätzen führen zeitweise zu Fragen die durch aufwendigeres Locationscouting oder Caständerungen hätten umgangen werden können. Dies ist ein eindeutiger Nachteil, den sich No-Budget Produktionen im gegebenen Fall vorwerfen lassen müssen. Es muss jedoch an dieser Stelle angemerkt werden, das der Einsatz der Mittel ins Erzählerische auf Kosten eines teuren Looks, eindeutig die richtige Entscheidung war.

Doppelbild_gesamt
Erster und letzter Shot von No Face Emoji | (c) LZRV 2017

Die Vorlieben des Verantwortlichen für amerikanischen Rap und die einhergehenden popkulturellen Einflüsse sind im Film deutlich zu erkennen. Allen Voran ist offenbar der Filmtitel durch ein Video von Childish Gambino inspiriert, dessen Inhalt verblüffende Ähnlichkeit mit einigen Einstellungen in No Face Emoji aufweist. Funktioniert die Musik im Teaser zum Kurzfilm noch herausragend gut, ist der Einsatz von Tyler, The Creator zu Beginn des Films etwas abrupt und nimmt der vorangehenden Szene etwas die emotionale Fallhöhe. In den restlichen Momenten des Werks ist der Musikeinsatz  jedoch gelungen und passend.

Es ist ein Gefühl, zu dem man kein Gesicht hat.“

– Alex Lazarov

Betrachtet man No Face Emoji vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Mittel, so bleibt nur zu hoffen, das Alex Lazarov irgendwann einmal die Chance bekommt, einen Film nach seinen Vorstellungen mit einem größeren Budget zu realisieren. Ideen und Talent scheinen dafür zumindest durchaus vorhanden zu sein.


Titelbild: (c)LZRV 2017

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