Berlin: Besuch in der deutschen Kinemathek

Mitten am von Touristen überlaufenen Potsdamer Platz, zwischen Filmplakaten für die neusten Blockbuster von Luc Besson und Edgar Wright, unweit des Boulevard der Stars findet sich im Sony Center in Berlin ein eindrucksvolles Museum:

Die deutsche Kinemathek bietet zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels zwei Ausstellungen an. Neben der Dauerausstellung zur deutschen Filmhistorie sind einige separate Räumlichkeiten dem Werk von Kameramann bzw. Director of Photography Robby Müller gewidmet.

Ausgehend von den getrennten Anfängen des Films durch die Brüder Skladanowsky in Berlin und die Brüder Lumieré (ein wesentlich passendere Name beim Thema Film) in Paris zeigt die ständige Ausstellung die fortschreitende Entwicklung des Kinos in Deutschland. Ob Schwarz-weiß- und Stummfilmzeiten, mit herausstechenden Werken wie Das Kabinett des Dr. Caligari und Fritz Langs Metropolis, oder Kultfiguren wie Ernst Lubitsch, Emil Jannings oder Asta Nielsen: Die facettenreiche Ausstellung mit Exponaten, Filmausschnitten und Fotografien (bewegt und unbewegt) bildet die vergangenen Epochen des Kinos ab.

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Die propagandistische Nutzung des Mediums Film in der Zeit des NS-Regimes durch die ufa und Personen wie Jospeh Goebells oder auch instrumentalisierte Filmgrößen wie Leni Riefenstahl wird ebenso ungeschönt angesprochen, wie die Formierung des neuen deutschen Films in West und Ost in den Nachkriegsjahren und zu Zeiten der politischen Trennung. Dabei legt die Inszenierung nicht nur Wert auf Informationsvermittlung sondern stellt passend zur Thematik die Atmosphäre und Darstellung gebührend ins Zentrum. Betritt man den ersten großen Saal der Ausstellung, tritt man in einen vollkommen verspiegelten Raum. Mittig sind verschiedene Projektionsschirme aufgebaut, die Zusammenschnitte der deutschen Filmhistorie zeigen. In vollkommener Stille vervielfältigt sich das Bild der Schirme durch die gezielte Anordnung ins unendliche und saugt den Besucher in eine intime, persönliche und schwer zu fassende Atmosphäre. Der Spiegel ist ein wiederkehrendes Motiv in Laufe der Ausstellung (siehe Titelbild) und symbolisiert die unterschiedlichen Färbungen die das Medium einnehmen kann. Gerade in Bezug auf den vielfältigen Ge- und Missbrauch wirkt dies passend.

Die Werke von Robby Müller, Kameramann für Regisseure wie Wim Wenders und Jim Jarmusch, sind Inhalt der temporären Ausstellung im Museum. In vollkommen verdunkelten Räumen werden über jeweils drei Leinwände zeitgleich Szenen aus drei Perspektiven betrachtet. Dabei wird nicht ganz klar ob es sich bei den Perspektiven um Material handelt, das für die Endfassung des Films zusammengeschnitten wurden oder so im Film enthalten ist. Filme bei denen Müller die Kamera geführt hat sind etwa Jim Jarmuschs Down by Law, Wim Wenders‘ Paris, Texas, oder Lars von Triers Dancer in the Dark. Letztere sprechen in gezeigten Interviews und dokumentationsähnlichen Filmen über seinen Stil und die Arbeit mit ihm. Sein beobachtender, reduzierter Film schafft ruhige eindrucksvolle Bilder, die in der Ausstellung in ansprechender Weise präsentiert werden. Ob die Gesichter von Mickey Rourke, Nastassja Kinski oder Faye Dunaway, alle eingefangenen Personen füllen die Ausstellung, gewidmet dem Master of Light, mit Leben.

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Anordnung von Leinwänden aus der Ausstellung Robby Müller – Master of Light

Eben durch diese Ruhe und Reduziertheit besticht auch die Inszenierung der deutschen Kinemathek. Das Thema Film wird nicht nur als abgebildete Geschichte verstanden, dem Besucher wird unterschwellig, ebenso wie inhaltlich vermittelt: Film ist mehr als eine Projektion auf einem Schirm. Der Potsdammer Platz ist in diesem Fall also doch einen Besuch wert, trotz der vielen Menschenmassen und austauschbaren Cineplex-Theater.


Titelbild: (c) Felix Jung nach Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen: Ständige Austellung

 

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